«Es braucht mehr La­demög­lich­kei­ten in städ­ti­schen Quar­tie­ren.»

Bis 2050 will die Schweiz ihre CO2-Emissionen auf netto null senken. Gleichzeitig nimmt der motorisierte Individualverkehr weiter zu. Die Lösung für dieses Dilemma ist eine klimaschonende Mobilität. Die dafür nötige Infrastruktur baut Energie Wasser Bern stetig aus.

Portrait Christoph Schreyer

Christoph Schreyer


Leiter Energieeffizienter Verkehr beim Bundesamt für Energie

«2020 war jeder achte neue Personenwagen in der Schweiz ein Steckerfahrzeug – also ein rein elektrisches Auto oder ein Plug-in-Hybrid. Das ist ein enormer Zuwachs gegenüber dem Vorjahr. Und die Verkäufe von Elektrofahrzeugen zeigen weiter steil nach oben. Ganz offensichtlich hat sich die Elektromobilität am Markt etabliert. Das liegt vor allem daran, dass inzwischen fast jeder Hersteller E-Autos im Angebot hat. Nun werde ich oft gefragt: Wie gut ist die öffentliche Ladeinfrastruktur in der Schweiz überhaupt auf die wachsende Anzahl Elektroautos vorbereitet? Aus meiner Sicht reicht sie aktuell völlig aus. Energie Wasser Bern und viele weitere Unternehmen haben frühzeitig in öffentliche Ladestationen investiert. Deshalb kommen hierzulande auf eine Ladestation bloss acht Steckerfahrzeuge. Das ist im europäischen Vergleich ein sehr guter Wert – wenn auch für die Betreiber solcher Stationen aus wirtschaftlicher Sicht eher problematisch. Die Kleinräumigkeit der Schweiz erweist sich bei der Elektromobilität als Vorteil. Für die in unserem Land üblichen Strecken reicht die Batteriekapazität der meisten Elektroautos völlig aus. Zudem stehen entlang der Autobahnen auf vielen Raststätten und bald auch auf 100 Rastplätzen Schnellladestationen bereit.

Die Herausforderung ist also nicht das öffentliche, sondern das private Laden von Steckerfahrzeugen. Gerade in den Städten verfügen zahlreiche Mieterinnen und Mieter, die auf ein eigenes Auto angewiesen sind, über keinen eigenen Einstellhallenplatz oder Aussenparkplatz. Sie parkieren ihre Autos in der blauen Zone. Damit sie ebenfalls auf Elektrofahrzeuge umsteigen können, braucht es mehr Lademöglichkeiten in städtischen Quartieren. Umso wichtiger sind Pilotprojekte, wie sie Energie Wasser Bern in der Stadt Bern durchführt. Dazu gehören die ersten, 2019 errichteten Ladepunkte in der blauen Zone und nun auch die 2020 in Strassenleuchten installierten Ladestationen. Niederschwellige Angebote dieser Art finde ich vorbildlich. Denn sie fördern die Sichtbarkeit der Elektromobilität in den Quartieren. Gleichzeitig liefern sie interessante Erkenntnisse zur Alltagstauglichkeit und zur Skalierbarkeit solcher Ladepunkte. Deshalb unterstützt EnergieSchweiz das Pilotprojekt fürs Laternenladen in Bern.

Unternehmen wie Energie Wasser Bern, die sich früh für eine neue Technologie engagieren, gehen immer ein gewisses Risiko ein. Denn möglicherweise setzen sich andere Lösungen durch. Doch bei der Elektromobilität erachte ich diese Gefahr als gering. Alles deutet darauf hin, dass bei den Personenwagen dem batterieelektrischen Antrieb die Zukunft gehört. Das zeigen auch die neusten Energieperspektiven des Bundes. Sind andere klimaschonende Treibstoffe wie Biogas und Wasserstoff also vom Tisch? Nein, sie kommen künftig vor allem dort zum Einsatz, wo der batterieelektrische Antrieb an seine Grenze stösst. Zum Beispiel bei schweren Nutzfahrzeugen auf langen Strecken – wobei wir hierfür auch einen sehr guten Schienen güterverkehr haben. Ich bin überzeugt: In der klimaneutralen Schweiz von übermorgen ergänzen sich verschiedene Mobilitätstechnologien. Der batterieelektrische Antrieb wird dabei einen Grossteil der Bedürfnisse abdecken.»


ewb.ch/ladestationen
ewb.ch/erdgasfahren

Das Ladenetz von Energie Wasser Bern in Zahlen

(Stand Dezember 2020)

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Standorte
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Ladestationen
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davon Schnell­la­de­sta­ti­o­nen
0
Ladepunkte
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La­de­vor­gän­ge mo­nat­lich